Entstehung von Zahn- und Kieferfehlstellungen durch Nasenatmungsbehinderungen

2020-01-19 22:47:13


Wann kann eine Nasenatmungsbehinderung diagnostiziert werden?

Die Behinderung einer spontanen Atmung durch die oberen Atemwege (Nase, Rachen, Hals) kann bereits im Kleinkindalter vom Kinderarzt und/oder HNO-Arzt festgestellt werden.

Welche Nasenatmungsbehinderungen gibt es?

  • Nasenscheidewandverkrümmung (Septumdeviation), genetisch vererbt oder in Folge früher Verletzungen erworben
  • vergrößerte untere Nasenmuscheln durch chronisch vergrößerten Schwellkörper. Die Schwellköper sind bei den Patienten im Liegen stärker geschwollen als in aufrechter Position.
  • vergrößerte Rachenmandeln (Tonsillen) und Gaumenmandeln (Adenoide).

Potentielle Ursachen für Atmungsbehinderungen

Die reaktiven Schwellungen können hervorgerufen werden durch Allergien, Nahrungsmittel- oder Medikamentenunverträglichkeit, ungünstiges Raumklima z.B. beim Schlafen bei offenen Fenster in zu kaltem Raum, da zu kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnimmt, zu warmer Raum mit trockener Luft, sowie starke abendliche Feinstaubbelastung in Wohngebieten durch Holzverbrennung in Kaminen und Pelletheizungen.

Allgemeine Symptome einer Nasenatmungsbehinderung

  •     Schlafstörungen   
  •     Schlafen mit offenem Mund, bzw.  überstrecktem Hals
  •     Augenringe
  •     nasale Sprache
  •     Lispeln
  •     Schnarchen.
  •     verminderte Leistungsfähigkeit.
  •     Kopfschmerzen
  •     Mundgeruch.
  •     gestörte Riechfunktion.

Mein Kind sagt aber, dass es gut Luft durch die Nase bekommt.

Ein Kind mit Nasenatmungsproblemen kennt nur diesen Zustand und hat sich damit notgedrungen arangieren müssen. Es ist die Aufgabe der Eltern dafür zu sorgen, dass die anatomischen und funktionellen Voraussetzungen für eine spontane freie Atmung geschaffen werden.

Unsere Kinderarztpraxis meint, dass sich "das alles noch auswächst".

Leider "wächst sich nichts aus", im Sinne einer spontanen Verbesserung der Atmungsbehinderung. Eher das Gegenteil tritt ein. Durch die Atmungsbehinderung bleibt die Mundatmung bestehen und daraus entwickeln sich Fehlfunktionen, die das Schlucken und Sprechen ungünstig beeinflussen, weil durch die regelmäßige Mundatmung sich die Mund- und Zungenmotorik nicht richtig entwickeln kann und damit für die Weich- und Hartgewebe die richtigen funktionellen Reize fehlen.

Warum das "niedliche Lispeln" gar nicht so niedlich ist.

Durch die vorhandene Atmungsbehinderung muss das Kind den Mund öffnen, um Luft zu holen. Bei der Mundöffnung wird reflektorisch der Tonus aus der Zunge genommen und diese liegt schlaff und breit auf, bzw. an dem Unterkieferzahnbogen, Je weniger Tonus die Zunge hat,desto flacher liegt sie, desto weniger stört der Zungenmuskel beim Luftholen.

Das Gehirn Ihres Kindes lernt nicht auf natürliche Weise seinen Zungenmuskel richtig anzusteuern. Das Gehirn Ihres Kindes übt jeden Tag mit seinen vielen Hunderten von Schluckakten ein falsches Schluckmuster ein, das sich immer weiter einschleift und desto schwieriger umzutrainieren ist, je älter das Kind wird.

Warum sich aus einem falschen Schluckmuster eine schwere Kieferanomalie entwickelt.

Beim Öffnen des Mundes liegt die Zunge flach auf dem Zahnbogen. Dadurch, dass wenig Tonus vorhanden ist, bleibt auch die Zunge beim anschließenden Mundschluß in dieser tiefen Position liegen.

Kieferanomalie zungenoffener Biß

 Das Kind schluckt mit geschlossenem Mund und tiefliegender Zunge und drückt dadurch die Zunge entweder zwischen die oberen und unteren Frontzähne wenn noch etwas Zungentonus vorhanden ist und ein sehr schwer zu therapierender zungenoffener Biß entwickelt sich.



Kieferanomalie Progenie

Wenn nur ganz wenig Zungentonus vorhanden ist, wird die Zunge gegen den vorderen Anteil des Unterkieferknochens, in dem die Unterkieferfrontzähne stehen, gedrückt. Der Zungendruck wird beim Schlucken hauptsächlich auf den Unterkiefer übertragen und der Oberkiefer erhält zu wenig funktionellen Zungendruck. Dadurch wächst der Unterkiefer im Verhältnis zum Oberkiefer zu weit nach vorne. Diese skelettale Fehlentwicklung heißt Prognie und gehört zu den schwersten kieferorthopädischen Anomalien.